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Wenn etwas schiefgeht: Fehler als Werkzeug deiner Führung

  • Autorenbild: Leo Humboldt
    Leo Humboldt
  • vor 9 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Es passiert schneller, als dir lieb ist: Du präsentierst eine wichtige Entscheidung, jemand stellt eine Detailfrage – und du merkst in dem Moment, dass sich eine Zahl in deinem Update schlicht nicht stimmt. Oder du merkst nach dem Meeting: Eine Info war unvollständig, ein Risiko hast du unterschätzt.


Der erste Reflex vieler junger Führungskräfte sieht ähnlich aus:

  • innerlich zusammenzucken

  • hoffen, dass es niemand bemerkt oder „schon nicht so schlimm“ ist

  • sich später allein ärgern – und beim nächsten Mal doppelt so sehr an sich zweifeln


Genau hier setzt dieses Modul an. Nicht bei der Frage, ob Fehler passieren, sondern:


Was machst du daraus – für dich und dein Team?


In unserer Learning Journey taucht dieses Motiv immer wieder auf: Hinter scheinbar „glatten“ Auftritten stecken in Wahrheit viele kleine Pannen und Korrekturen – sichtbar werden nur die, aus denen jemand gelernt hat.


Der Perfektionsdruck am Anfang der Führungslaufbahn

Besonders in den ersten Führungsjahren begleitet viele ein stiller Satz:

„Ich darf mir keinen Fehler leisten, sonst merken alle, dass ich eigentlich noch nicht so weit bin.“

Dazu kommen typische Verstärker:

  • neue Rolle, aber alte Erwartung an dich selbst, „alles im Griff“ zu haben

  • neugierige Blicke aus Team und Management

  • das Gefühl, dich dauernd beweisen zu müssen


Das Problem daran: Je stärker du Perfektion erwartest, desto härter trifft dich jede Abweichung – und desto weniger lernst du aus dem, was ohnehin passiert.

Stattdessen kannst du dir eine realistischere Annahme erlauben:

„Fehler werden passieren. Entscheidend ist, wie ich damit umgehe.“

Mann hält sich im Besprechungsraum die Stirn, spricht nervös vor drei sitzenden Kollegen; helle, ruhige Büroszene.

Pannen als Normalfall – nicht als Ausnahme

Von außen sieht Führung oft fehlerfrei aus. Was du nicht siehst: Die meisten Pannen passieren im Verborgenen – und werden entweder schnell ausgebügelt oder verschwiegen.


Typische Beispiele:

  • eine falsche Zahl in einer Tabelle

  • eine schlecht gesetzte Erwartung beim Stakeholder


Der Unterschied zwischen erfahrenen und unerfahrenen Führungskräften liegt selten in der Häufigkeit der Fehler, sondern darin, was danach passiert:

  • Wird der Fehler still kaschiert – oder offen adressiert?

  • Wird Schuld verteilt – oder Verantwortung übernommen?

  • Wird einfach weitergemacht – oder kurz innegehalten und gelernt?


Wenn du dir klar machst, dass Fehler die Regel und nicht der Betriebsunfall sind, kannst du beginnen, bewusste Routinen für den Umgang damit zu entwickeln.


Dein Umgang mit Fehlern prägt die Fehlerkultur

Als Führungskraft bist du nicht nur von Fehlern betroffen – du gestaltest auch, wie dein Team damit umgeht. Drei Signale sind besonders entscheidend:


  1. Wie du über eigene Pannen sprichst Sagst du nur im Nachgang zu einer vertrauten Person „Das war echt daneben“ – oder kannst du vor dem Team kurz benennen, was schiefgelaufen ist und was du daraus ziehst?


  2. Wie du auf Fehler im Team reagierst Wird es laut, sarkastisch oder kalt, wenn etwas schiefgeht – oder stellst du Fragen wie: „Was genau ist passiert? Was brauchen wir, damit das nächstes Mal anders läuft?“


  3. Ob Lernen sichtbarer wird als Schuld Wenn Menschen erleben, dass ein offener Umgang mit Fehlern zu besseren Entscheidungen führt, wächst nach und nach psychologische Sicherheit. Sie trauen sich eher, Risiken oder Unsicherheiten anzusprechen – bevor es richtig teuer wird.


Fehlerkultur beginnt damit, dass jemand den ersten Schritt macht. In vielen Fällen bist du das.

Wenn du das Buch hinter dieser Learning Journey im Hinterkopf hast, kannst du es als Backstage-Erinnerung sehen: Auch Menschen mit viel Bühnenpraxis erzählen offen davon, wie sehr sie aus ihren größten Fehltritten gelernt haben – nicht aus ihren perfekten Tagen.


Eine kleine Routine für den „Fehlermoment“

Du brauchst keinen großen Prozess, um Fehler als Führungswerkzeug zu nutzen.


Junger Mann schreibt in ein Notizbuch am Tisch; sichtbar: Was passiert? Was lerne ich? Laptop und Tasse im Hintergrund, ruhige Stimmung.

Eine einfache dreistufige Routine reicht als Start:

  1. Kurz sortieren Wenn du merkst, dass etwas schiefgelaufen ist: Einmal innerlich stoppen. Zwei ruhige, bewusste Ausatemzüge. Kein innerer Monolog à la „Wie konntest du nur…“, sondern die nüchterne Frage: „Was ist faktisch passiert?“


  2. Klar kommunizieren Je nach Situation kann das heißen:

    • „Mir ist gerade aufgefallen: Die Zahl auf Folie 3 stimmt so nicht. Korrekt ist …“

    • „Ich habe im letzten Weekly eine Info unvollständig gegeben, das möchte ich kurz geradeziehen.“

     Wichtig: ohne Ausreden, ohne dich kleiner zu machen als nötig.


  3. Gezielt lernen Nimm dir nach dem Termin fünf Minuten und notiere:

    • Was war die eigentliche Ursache?

    • Was kann ich konkret ändern (Vorbereitung, Abstimmung, Absicherung)?

    • Gibt es etwas, das ich beim nächsten Mal mit dem Team teilen möchte?


Ein kleines Beispiel: Du korrigierst im Steering eine Zahl offen und erläuterst kurz, warum es zu dem Fehler kam. Meistens geht das Meeting einfach weiter – und du merkst, dass die Reaktion deutlich milder ist als dein innerer Film.


So wird aus einem Fehltritt nicht nur ein persönlicher Ärger, sondern eine Lernschleife, die dich und dein Team stabiler macht.


Ein Experiment für deine nächste Panne

Du kannst dieses Modul praktisch nutzen, ohne auf den „perfekten“ Moment zu warten.


Nimm dir vor: Beim nächsten Fehler, der dir bewusst wird – egal, ob Zahlendreher, missverständliche Ansage oder schlecht gesetzte Erwartung – gehst du drei Schritte:

  1. Du benennst den Fehler kurz und sachlich.

  2. Du sagst einen Satz dazu, was du daraus lernst.

  3. Du achtest bewusst darauf, wie dein Umfeld reagiert.


Oft wirst du feststellen: Das Drama entsteht weniger durch den Fehler selbst – sondern durch das Verstecken. Wenn du anfängst, mit Pannen klarer und ruhiger umzugehen, sendest du ein starkes Signal:

In diesem Team darf gelernt werden. Auch an Stellen, an denen etwas schiefgeht.

Fünf Personen diskutieren am Tisch; ein Mann gestikuliert. Im Hintergrund Flipchart mit Skizzen und News Compelled Shifters.

Genau dort werden Fehler vom Risiko zum Werkzeug für deine Führung.

Zusammen mit deinem neuen Blick auf Kommunikation als Handwerk (Modul 1) und deinen Lichtungs-Momenten (Modul 2) wird dein Umgang mit Fehlern zum dritten Baustein deiner Führungspräsenz – noch bevor du beginnst, deine Auftritte konsequent vom Publikum her zu planen (Modul 4).

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