Die Lichtung: Lampenfieber als Führungskraft verstehen und nutzen
- Frida Viva

- vor 5 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Vielleicht kennst du diesen Moment: Du siehst deinen Namen auf der Agenda eines All-Hands oder Steerings – und dein Körper ist schneller als dein Kopf. Ein kurzer Stich im Bauch, warme Hände, der Impuls, das Meeting lieber zu tauschen.
Genau hier beginnt die „Lichtung“.
So nenne ich Situationen, in denen du als junge Führungskraft sichtbar wirst: Du trittst aus dem sicheren Hintergrund heraus, stehst im Kreis der Blicke. Die Frage ist nicht: „Wie werde ich mein Lampenfieber los?“, sondern: „Wie lerne ich, mit dieser Aufregung wirksam zu führen?“

1. Was in deinem Körper passiert, wenn du sichtbar wirst
Dein Nervensystem arbeitet mit einer einfachen Logik:
viele Augen auf dir = potenzielles Risiko
allein im Fokus = besser wachsam sein
Der Kontext hat sich geändert – vom Dorfplatz zum Townhall –, die Reaktion nicht. Typische Signale bei Lampenfieber als Führungskraft:
schneller Puls
flachere Atmung
warme oder schwitzige Hände
Das ist kein Beweis gegen deine Eignung, sondern ein Hinweis: Dein System registriert Bedeutung. Es merkt: „Hier steht etwas auf dem Spiel.“
Hilfreicher Gedanke:
Nicht: „Mit mir stimmt etwas nicht.“
Sondern: „Mein Körper nimmt meine Führungsmomente ernst.“
2. Sichtbarkeit als Führungskraft gehört zur Rolle
Viele junge Führungskräfte verwechseln Persönlichkeit mit Rolle:
Persönlichkeit: eher leise oder laut, introvertiert oder extravertiert.
Rolle: Menschen führen, Entscheidungen erklären, Orientierung geben.
Sichtbarkeit gehört zur Führungskommunikation, nicht nur zu „Bühnentypen“. Auch erfahrene Führungskräfte spüren Aufregung vor kritischen Auftritten. Der Unterschied liegt in der Routine im Umgang damit – nicht im Fehlen von Nervosität.
Eine hilfreichere Frage als „Bin ich dafür gemacht?“ ist:
„Wie möchte ich auf der Lichtung stehen – mit meiner Art?“
3. Drei kleine Hebel gegen lähmendes Lampenfieber
Du kannst die Aufregung nicht komplett abstellen, aber du kannst sie erden.
1. Atmung nutzen
Vor deinem Auftritt:
normal einatmen, bewusst länger ausatmen
das fünf- bis zehnmal wiederholen
Das signalisiert deinem Nervensystem: „Keine unmittelbare Gefahr“ – und gibt dir etwas mehr Boden.
2. Den Raum wirklich sehen
Stell dich stabil hin, beide Füße auf dem Boden, und nimm dir zwei Sekunden, um in die Runde zu schauen. Suche ein, zwei zugewandte Gesichter. Das holt dich aus dem Kopf zurück in den Raum.
3. Einen klaren ersten Satz vorbereiten
Schreib dir vorab einen einfachen Startsatz auf, z.B.:
„Ich möchte euch kurz abholen, wo wir im Projekt stehen und was das für die nächsten zwei Wochen bedeutet.“
Du musst ihn nicht auswendig lernen, aber du hast einen Anker für deinen Auftritt.
4. Ein Mini-Experiment für deinen nächsten Lichtungs-Moment
Wähle eine anstehende Situation, in der du als Führungskraft sichtbar bist – ein Team-Update, ein kurzes Statement im Steering oder eine Info im größeren Kreis.
Nimm dir fünf Minuten vorher für:
drei verlängerte Ausatemzüge
einen klaren ersten Satz
die Frage: „Was soll für die anderen nach meinem Beitrag klarer sein?“
Beobachte danach kurz:
Was hat sich an meinem Lampenfieber verändert?
Wo hatte ich mehr Präsenz als erwartet?
Was haben Team oder Stakeholder davon gemerkt?
So wird aus Sichtbarkeit Schritt für Schritt weniger Prüfungsangst – und mehr ein bewusster, wirksamer Teil deiner Führungskommunikation.
Dieser Beitrag ist Teil einer kleinen Lernreise: In Modul 1 geht es darum, Kommunikation als Handwerk zu sehen; in den nächsten Modulen schaust du darauf, wie du mit Fehlern umgehst und deine Auftritte konsequent vom Publikum her planst.







Kommentare